Plus jamais ça – Nie wieder!

Ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit – Die Razzia von 1943 im Viertel Saint-Jean in Marseille

Am 15. Dezember 2025 waren wir, die DELF-AG und die AG Schule mit Courage der Gesamtschule Talsand, in die Französische Botschaft in Berlin eingeladen, um einem besonderen Zeitzeugenbericht beizuwohnen. Vertreter des „Collectif Saint-Jean“ schilderten die Geschichte der Razzien, die sich zwischen dem 22. und 24. Januar 1943 in den alten Vierteln in Marseille ereigneten. Schüler und Schülerinnen Berliner und Brandenburger Schulen waren geladen. Die Razzia vom 21. Januar 1943 im alten Hafengebiet Saint-Jean in Marseille wurde von überlebenden Zeitzeugen eindringlich dargestellt. Es ging darum, an ein fast in Vergessenheit geratenes Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu erinnern. Der Abend bildete den Abschluss einer Veranstaltungsreihe, deren Angebote die Gesamtschule Talsand dieses Jahr vollumfänglich genutzt hat. Im Rahmen der Erinnerungsarbeit rund um 80 Jahre der Befreiung waren vielfältige Veranstaltungen im Jahr 2025 durchgeführt worden.

Herr Antoine Mignemi und Frau Suzanne Fritz

Die brutalen und mörderischen Aktionen, die auf Anweisung der französischen Regierung und der nationalsozialistischen Besatzungstruppen mit dem Ziel durchgeführt wurden, das alte Hafenviertel von Marseille zu „säubern“ stellt ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit dar. Die Bewohner des Viertels Saint-Jean am Hafen von Marseille wurden deportierten und das Viertel anschließend gesprengt. Nur das Rathaus blieb verschont. In diesen engen Gassen lebte eine bescheidene und internationale Bevölkerung unterschiedlicher Religionen, einschließlich der Juden, und viele hofften, mit einem Schiff von dort Europa verlassen zu können. Die Zeitzeugen schilderten ihr bescheidenes, aber glückliches Leben in diesem Hafenviertel vor der Razzia. Claude Arovas, Überlebender der Shoah – seine Eltern fielen der Shoah zum Opfer -, Antoine Mignemi – Vorsitzender des „Collectif Saint-Jean 24 janvier 1943“ – und Suzanne Fritz berichteten von der Razzia, die sie als Kinder miterlebten.

Julien Acquatella (CIVS), Antoine Mignemi, Suzanne Fritz, Claude Arovas, Gerard Agresti, Frau Lena Guyomaec’h

Am Sonntag, den 24. Januar 1943, wurden 20.000 Männer, Frauen und Kinder jeden Alters aus ihren Wohnungen geholt, festgenommen und größtenteils ins Lager Fréjus deportiert. Am 17. Februar 1943 wurde das Viertel gesprengt: 1.500 Häuser und 850 Geschäfte wurden auf 14 Hektar wurden zerstört. 82 Straßen und Plätze verschwanden vom Stadtplan. Die Bewohner wurden von Fréjus in Konzentrationslager nach Sachsenhausen, Mauthausen, Buchenwald, Sobibor, Neuengamme und Stutthof deportiert und ermordet.

Pascal Luongno

Erst 2019 erhob der Anwalt Pascal Luongo Anklage wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit, um sicherzustellen, dass diese Razzia nicht in Vergessenheit gerät und sich die Geschichte nicht wiederholt. Das „Collectif Saint-Jean 24 janvier 1943“ wurde gegründet und hat sich zum Ziel gesetzt, die Erinnerung an dieses Verbrechen aufrechtzuerhalten und in den Schulen darüber zu berichten. Dieses bewegende Zeitzeugengespräch vergegenwärtigte die Brutalität dieses geschichtlichen Ereignisses aufs Deutlichste und regte intensiv zum Nachdenken über den Begriff der „Unerwünschten“ und über die Weitergabe dieser Erfahrungen zwischen den verschiedenen Generationen beider Länder an.

DELF-AG: Deutsch-französische Medienresidenz in Berlin 2025

Foto: Sebastian Gabsch Fotografie
Foto: Sebastian Gabsch Fotografie
Foto: Sebastian Gabsch Fotografie
Berliner Bettdecke: Leonie, Helena, Rocco und Lucas.
Screentime von Berliner Bettdecke: Lucas, Rocco, Helena, Leonie und Lucia
Social life
Say so von Social life: Anni, Ines, Louis, Maxime und Sacha
Berlin City
Fake Friends von Berlin City: Samira, Nora, Anouck, Juliette und Paul
New in Town von The Aletto Film: Lucie, Lucie, Freyja, Wiktoria und Mia

Deutsch-französische Medienresidenz in Berlin 2025

Vom 18. bis 22. November 2025 fand zum achten Mal die Medienresidenz „Ciné-médias“ in Berlin statt. Es trafen sich dort 10 Schülerinnen der Gesamtschule Talsand im Rahmen der DELF-AG, geleitet von Frau Doris Diller, mit 10 Schülern und Schülerinnen einer Schule aus der Nähe von Bordeaux in Frankreich begleitet von Vera Sohn. Diese Veranstaltung wurde vom Deutsch-Französischen Jugendwerk und dem Büro für Film und Medien des Institut français Deutschland im Rahmen der 25. Französischen Filmwoche organisiert. Ziel des Workshops war es, den Teilnehmern Schlüsselkompetenzen zur Medienbildung zu vermitteln und ihnen durch Vorträge und Workshops von Fachleuten einen Einblick in die Medienwelt zu geben. Die Workshops wurden simultan ins Französische oder Deutsche übersetzt.

Foto: Sebastian Gabsch Fotografie

Tutoren und Fachleute

Die Teilnehmer hatten die Möglichkeit, mit erfahrenen Fachleuten zu arbeiten und zu lernen:

Sylvain Cruiziat ist ein französisch-deutscher Regisseur und Produzent, der in London, Paris und Hongkong aufgewachsen ist. Er hat an der Hochschule für Fernsehen und Film München studiert und seine Filme, unter anderem „Find Fix Finish“ (2017), „The Raft“ (2019) und „Boyz“ (2023), wurden auf internationalen Festivals ausgezeichnet. Seit 2023 arbeitet er mit Coproduction Office, einer internationalen Produktionsfirma, zusammen.

Luis Schubert wuchs in einem französischen Umfeld in München auf und ist Regisseur in Berlin. Nach seinem Studium der Film- und Medienwissenschaft an der Sorbonne in Paris studiert er an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin (DFFB). Seine Kurzfilme wurden von renommierten Sendern wie arte und SWR koproduziert und auf internationalen Festivals in Palm Springs und Berlin (Berlinale/Encounters) gezeigt.

Sylvain und Louis begleiteten die Jugendlichen mit Fachwissen, Humor und unendlicher Geduld durch die Tage und verloren ihr Ziel nie aus den Augen. Obwohl sich die Jugendlichen vorher nicht kannten und aus verschiedenen Kulturen mit unterschiedlichen Muttersprachen kamen, konnten nach drei Tagen intensivem, fröhlichen Schaffens vier Kurzfilme den Mitarbeitern des Instituts präsentiert werden:

New in Town von der Gruppe „The Aletto Film“: Lucie, Lucie, Freya, Wiktoria und Mia

Fake Friends von der Gruppe „Berlin City“ – Samira, Nora, Paul, Anouck, Juliette

Screentime von der Gruppe „Berliner Bettdecke“ – Helena, Leonie, Rocco, Lucas und Lucia

Say so von der Gruppe „Social Life“ – Ines, Anni, Louis, Maxime und Sacha

Auf dem Weg zum Insitut français.

Ablauf der Medienresidenz

Ankunft – Dienstag, 18. November

Die Teilnehmer aus Frankreich kamen am Berliner Flughafen BER an und checkten im Hotel Aletto ein. Nach einem gemeinsamen Abendessen im italienischen Restaurant „Vapiano“ war das Eis gebrochen, im Hotel spielte man noch eine Runde Werwolf/Loupsgarou und es fand der erste Tag der Medienresidenz statt.


Tag 1 – Mittwoch, 19. November

Begrüßung und Einführung durch das Institut français durch Anne Vassière und das Deutsch-Französische Jugendwerk/OFAJ.

Eisbrecher-Spiele zur Förderung des Kennenlernens.

Masterclass zum Thema „Escapismus im Film“ mit der Regisseurin Zora Rux.

An Hand des Kurzfims „What happens in your brain if you see a german word like

Weltschmerzverdrängungskonsumkritikausschüttungsmechanismuszeugentumschlagargumentgedankengebäude-verbot?“. besprachen wir die verschiedenen Effekte im Film.

Anschließend wurden die Drehbücher für die Kurzfilme geschrieben geschrieben.

Das Abendessen genossen die Teilnehmer in der Repke Spätzlerei.

Abends im Aletto.

Tag 2 – Donnerstag, 20. November

Masterclass zur Bildgestaltung mit Christoph Hochhäusler, deutscher Regisseur und Autor der Berliner Filmhochschule.

Es schwirrte nur so von Fachbegriffen: Einstellungen, POV-Sandwich (Betrachter + Point of View + Betrachter) Kamerabewegungen, Bildformate … alles an Hand von Filmbeispielen anschaulich gezeigt.

Es folgten die Proben und Dreharbeiten der Kurzfilme.

Einst ausschließlich in Berlin verortet, findet die Französische Filmwoche zwischenzeitlich in 27 Städten statt. Am Abend fand die Eröffnung im Delphi Filmpalast statt, wo der Film „L’Etranger“ (eine Adaptation des Buches von Albert Camus Der Fremde) von François Ozon gezeigt wurde. François Delattre (Botschafter der Republik Frankreich in Deutschland) eröffnete in Anwesenheit des Regisseurs François Ozon die Französische Filmwoche. François Ozon Ozon beantwortete dem Publikum ausführlich Fragen zum Film. Der Film L’Étranger startet am 01.01.2026 in den deutschen Kinos.

Tag 3 – Freitag, 21. November

Montage der Kurzfilme

Besuch des Green-Screen-Studios im Institut françaisSur Mesure“. Hier führte uns Pierre-Jérôme Adjedj in die Technik ein und die Kinder konnten zuschauen, wie ihre Gesichter in andere Hintergründe eingefügt oder die ganze Person in ein Schachspiel gestellt wurde. Alle technischen Möglichkeiten wurden genau erklärt.

15:30 Uhr Präsentation der Kurzfilme vor Publikum und anschließende Diskussion.

Im Cinéma de Paris wohnten wir dem Film von CinéfêteLe Panache“ bei und waren anschließend zu einem Empfang im Boris Vian Saal des Institut français eingeladen.

Foto: Sebastian Gabsch Fotografie
Foto: Sebastian Gabsch Fotografie

Um 19:00 Uhr trafen wir uns im Restaurant „Zen“ zum Essen.

La femme la plus riche au monde von Thierry Klifa mit Isabelle Huppert.

Anschließend wohnten wir um 20:30 Uhr der deutschen Vorpremiere des Films „Die reichste Frau der Welt“ mit der französischen Schauspielerin Isabelle Huppertin der Hauptrolle im Cinéma Paris in Anwesenheit des Regisseurs Thierry Klifa bei.

Doris Diller, Thierry Klifa, Ines Penke

Tag 4 – Samstag, 22. November

Nach einem gemeinsamen Frühstück im Hotel Aletto verabschiedeten sich die Teilnehmer voneinander.

Ergebnisse der Medienresidenz

Diese kreative Zusammenarbeit und der Austausch zwischen den Teilnehmern aus Deutschland und Frankreich haben nicht nur das Verständnis für die Medienwelt vertieft, sondern auch wertvolle interkulturelle Erfahrungen ermöglicht. Die Medienresidenz war ein voller Erfolg und wird sicherlich lange in Erinnerung bleiben und die deutsch-französischen Freundschaft festigen.

Unser besonderer Dank gilt den Leitern des Workshops Luis Schubert und Sylvain Cruiziat, Zora Rux, Christoph Hochhäusler und Pierre-Jérôme Adjedj, sowie Anne Vassevière, Alicia Theokritoff und Louise Coschieri-Sommer vom Institut français in Berlin.

Weitere Impressionen unser Zeit in Berlin:

In der Médiathèque konnte man sich umschauen….
Vor der Französischen Botschaft.
Besuch im französischen Buchladen Zadig – Librairie française Zadig in Berlin.
Besuch der Sophienkirche, in der Martin Luther King gepredigt hat.
Nun heißt es Abschied nehmen… ein paar Tränen fließen….
Bon voyage! Et: Wir hoffen auf ein Wiedersehen!

Übergabe der DELF Diplome

Die Schulfamilie gratuliert den Schülern und den Schülerinnen, die heute ihre DELF Diplome erhalten haben:

Ines Penke A1, Deaon Neumann A1, Jimmy Kranzusch A1, Meike Kirscht A1 und A2 und Joyce Mafor B2!

In diesem Schhuljahr gibt es die Möglichkeit sich in der DELF-AG auf die nächsten Prüfungen am 21. März in Prenzlau und 12. Juni in Berlin vorzubereiten. Die Anmeldungen sind eröffnet! Nur Mut!

Foto: Jaden Jahnke und Kito Mentag

Utopia Europa Preis 2025

Am 23. September 2025 fuhren interessierte Schüler und Schülerinnen in die Französische Botschaft in Berlin, um dem Debattierwettbewerb „Utopia Europa“ beizuwohnen.

Das Büro für Hochschulkooperation und die Deutsch-Französische Hochschule haben in Zusammenarbeit mit dem Verbindungsbüro des Europäischen Parlaments in Deutschland und der Vertretung der Europäischen Kommission in Deutschland im Jahr 2025 zum sechsten Mal den Debattierwettbewerb „Utopie Europa“ organisiert. In dieser Ausgabe waren die Studierenden eingeladen, sich mit der folgenden Frage auseinanderzusetzen:
„Teilhabe und Engagement: der Jugend in Europa eine Stimme geben“.

Die teilnehmenden Universitäten waren dieses Jahr die Hochschule Darmstadt, die Universität Gießen und die Hochschule Fulda.

Demokratie ist nichts Selbstverständliches. Die Ideen der Studierenden beeindruckten uns.

Das Leben ist eine Lektion der Resilienz – Zeitzeugenbericht von Lily Leignel (geb. Keller-Rosenberg), Überlebende der Vernichtungslager Ravensbrück und Bergen-Belsen

Zeitzeugenbericht an der Gesamtschule Talsand

Das Leben ist eine Lektion der Resilienz – Zeitzeugenbericht von Lily Leignel (geb. Keller-Rosenberg), Überlebende der Vernichtungslager Ravensbrück und Bergen-Belsen

Am 5. November 2025 bot sich rund 120 Schülerinnen und Schülern der Gesamtschule Talsand die besondere Gelegenheit, den ergreifenden Bericht von Frau Lili Leignel (geb. Keller-Rosenberg), einer Überlebenden der Vernichtungslager Ravensbrück und Bergen-Belsen, zu folgen. Seit vielen Jahren setzte sich Frau Leignel aktiv dafür ein, ihre Erfahrungen weiterzugeben und junge Generationen über die Gefahren von Antisemitismus und Intoleranz aufzuklären.


Am 15. September 1932 in Croix (Nordfrankreich) in eine jüdische Familie ungarischer Abstammung geboren, wurde Lili Keller-Rosenberg im Alter von nur 11 Jahren, am 27. Oktober 1943, zusammen mit ihrer Familie verhaftet und in das Sammellager Mechelen in Belgien transportiert. Während ihr Vater nach Buchenwald deportiert wurde, erlebte sie mit ihrer Mutter und ihren Brüdern die Deportation nach Ravensbrück und später nach Bergen-Belsen, wo sie am 15. April 1945 befreit wurde.


Nach der Begrüßung und Einführung durch Herrn Rektor Carl Cnyrim, folgten eindringliche Grußworte von Frau Karina Dörk, Landrätin der Uckermark, Herrn Silvio Moritz, 1. Beigeordneter der Stadt Schwedt/Oder, Herrn Marek Wöller-Beetz, 1. Beigeordneter und gewählter neuer Bürgermeister der Stadt Prenzlau Und von Herrn Julien Acquatella, Leiter von CIVS. Neben den genannten waren weitere geladene Gäste Frau Coralie Vom Hofe von der Französischen Botschaft, Herr Schulrat Joachim Link und Herr Dr. Stephan Diller, Leiter des Dominikanerklosters Prenzlau.


Nach den Grußworten teile Frau Leignel eindrucksvoll und ergreifend mit dem Auditorium, ihre Erinnerungen, ihre persönlichen Erfahrungen und Schrecken mit dem Holocaust, eine alles in allem sehr bewegende Geschichte, in der die Unbeschwertheit der Jugend auf die unaussprechliche Grausamkeit der Menschen trifft, wobei aber auch die unglaubliche Widerstandsfähigkeit der Jugend deutlich wird. Frau Leignel betonte mehrfach die Bedeutung von Resilienz und Menschlichkeit und forderte die Schüler und Schülerinnen auf, ihr zu schreiben und ihre Botschafter zu werden, um das Vergessen zu verhindern, sich aktiv für Demokratie, Vielfalt und gegen Extremismus einzusetzen, um so für alle Menschen – ohne Rücksicht auf Herkunft oder Religion – eine Zukunft in Frieden und ohne Rassismus zu gestalten.

Ein besonderes Erlebnis für alle Beteiligten war die Herzlichkeit und Offenheit, mit der Frau Leignel die zahlreichen interessierten Fragen aus der Schülerschaft beantwortete. Abschließender Höhepunkt der Veranstaltung bildete das Fotoshooting mit den Schülerinnen und Schülern der verschiedenen Jahrgangsstufen.


Die von Frau Doris Diller, Leiterin der AG Schule mit Courage der Gesamtschule Talsand, in Zusammenarbeit mit der Französischen Botschaft in Berlin und der Kommission für die Entschädigung der Opfer von Enteignungen aufgrund der antisemitischen Gesetzgebung während der Okkupationszeit (CIVIS) organisierte Veranstaltung war ein Teil des Rahmenprogramms der Ausstellung Widerstand Verfolgung Deportation – Frauen aus Frankreich im KZ Ravensbrück, 1942–1945 der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück im Landesarchivs Berlin und fand an der Kunst- und Musikschule Schwedt/Oder statt. Besonderer Dank geht an Herrn Julien Acquatella, dem Leiter von CIVIS, und an Frau Coralie Vom Hofe von der Französischen Botschaft für ihre Unterstützung bei der Planung der Veranstaltung.
Das Projekt fand in Kooperation mit der Partnerschaft für Demokratie Uckermark statt und wurde gefördert im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben!“ durch das Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend.


Weitere Unterstützer, ohne deren Hilfe die Veranstaltung nicht hätte durchgeführt werden können, waren:

  1. Städtische Museen der Stadt Schwedt/Oder: Frau Anke Grodon, Leiterin der Museen, unterstützte mit ihrem Team bei der Planung der Veranstaltung, beim Aufbau und der Betreuung der Technik und beim Empfang der Gäste. Zudem wurde eine Führung durch das jüdische Museum und den jüdischen Friedhof mit Frau Leignel und den Gästen aus der Französischen Botschaft durchgeführt.
  2. Dominikanerkloster in Prenzlau: Das Dominikanerkloster ist Kooperationspartner der Gesamtschule Talsand. Der Leiter des Dominikanerklosters Prenzlau, Herr Dr. Stephan Diller, koordinierte die Planung, Organisation und Durchführung der Veranstaltung.
  3. Stadt Schwedt: Der 1. Beigeordnete der Stadt unterstützte die Veranstaltung persönlich und mit einem Grußwort.
  4. Kunst- und Musikschule Schwedt: Sie stellte kostenlos Saal, Technik und Bestuhlung zur Verfügung.
  5. Echoo Konferenz Dolmetschen Berlin: Simultanübersetzung der Veranstaltung.
  6. PCS Konferenztechnik Berlin: Bereitstellung der Konferenzempfänger.

Frau Lili Leignel, geb. Keller-Rosenberg, gilt unser ganz besonderer Dank für dieses unvergessliche Erlebnis.

Fotos von Dr. Stephan Diller.

Zwei weibliche Halbakte von LUZ

Am 21. Mai 2025 besuchte eine Gruppe von Schülerinnen und Schülern unter Leitung von Frau Doris Diller (Schule mit Courage, Französisch und LER Unterricht) die Französische Botschaft in Berlin. Anlass war eine Einladung besonderer Art: Der Zeichner Renald Luzier, genannt LUZ, stellte die deutsche Ausgabe seiner Graphic Novel „Deux filles nues“, zu Deutsch „Zwei weibliche Halbakte“ vor. Das Buch ist der aktuelle Gewinner des Fauve d´Or beim Internationalen Comicfestival von Angoulême in Frankreich.

Die Fotos dieses Beitrags sind mit freundlicher Genehmigung von der Französischen Botschaft bereitgestellt worden.

Das Buch erzählt die Geschichte eines 1919 vom deutschen expressionistischen Künstler und Lithograf Otto Mueller (1874–1930) gemalten Bildes, das von den Nazis 1934 als entartete Kunst enteignet wurde, bevor es über Umwege letztendlich wieder im Museum in Köln landete.

LUZ nimmt eine originelle Perspektive ein, indem er diese Geschichte aus der Sicht des Gemäldes selbst erzählt – ohne das Bild tatsächlich im Buch abzubilden – und so eine Reflexion über Kunst, Erinnerung und politische und kulturelle Zensur bietet.

Unsere Gruppe hatte das Privileg, uns vor der eigentlichen Buchpräsentation mehr als zwei Stunden in einem persönlichen Ateliergespräch mit dem Künstler auszutauschen. LUZ – Zeichner, Künstler, Autor – skizierte uns in einem sehr intimen Gespräch, den Prozess der Entstehung seines Buches, angefangen von ersten Ideen, die erweitert, verworfen und dann durch Geistesblitze sich in die endgültige Form verwandelten. Nach einem Jahr intensiver Arbeit vollendete er sein Buch, zu einem Zeitpunkt, der zufälligerweise mit dem Ergebnis der Wahl zum Europaparlament zusammenfiel. Dass die Ergebnisse dieser Wahl ihn dermaßen erschrecken würden, hatte er zu Beginn seiner Arbeit nicht ahnen können. Die Notwendigkeit des Erinnerns durch Künstler an die nachfolgenden Generationen wurde durch das Wahlergebnis augenfällig. Die häufig nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs und dem damit verbundenen Niedergang des Nationalsozialismus angeführte Behauptung, man hätte nichts von den Gräueltaten gewusst, ist in der heutigen, digital vernetzten Welt durch die allgegenwärtige Verfügbarkeit von Informationen nicht mehr tragbar. Da rechtsextreme Bestrebungen in der heutigen Zeit – nicht nur in Deutschland und in Frankreich –, offensichtlich sind, sind Beiträge wie dieses Buch von extremer Wichtigkeit, um Erinnerungen und Mahnung zugleich weiter zu tragen.

Der schwere Zugang zum Thema „Nationalsozialismus“ wird durch weitere thematische Aspekte wie Liebe, Hass und Humor für den jugendlichen Leser etwas erleichtert.

Nach dem Attentat auf die Redaktion von Charlie Hebdo im Jahr 2015 entstand das Bedürfnis nicht mehr nur Karikaturen für einen bestimmten Moment zu gestalten, sondern an längeren Sequenzen zu arbeiten und schließlich ganze Bücher zu zeichnen.

Im Ateliergespräch erzählte LUZ, wie sehr er die gemeinsamen Redaktionssitzungen bei Charlie Hebdo – er war über 20 Jahre Mitarbeiter der Redaktion – genossen hat. Nach dem Attentat ist für ihn das Leben mit den Charakteren seiner Geschichten ein sicherer Zufluchtsort geworden. Es ist, als ob er morgens aufsteht und die Menschen aus seinem Buch sich mit ihm an einen Tisch setzen, sie zusammen leben und kommunizieren.

LUZ erwähnte nur kurz, dass sein Leben seit 10 Jahren von immer präsentem Polizeischutz begleitet ist, und er diesen Moment mit uns hier in der französischen Botschaft in Berlin sehr genossen hat.

Im Anschluss an unser Ateliergespräch waren wir Gast der eigentlichen, abendlichen Buchpräsentation, die von Ines Rotermund-Reynard. Mitarbeiterin des Musée d’Orsay in Paris, moderiert wurde. Und uns so ganz nebenbei Einblicke in den deutschen Expressionismus gab.

Begrüßt, verbunden mit einem besonderen Dank an unsere Schwedter Gruppe, wurden wir von seiner Excellenz dem französischen Botschafter Franois Delattre, der die Notwendigkeit, sich in diesen Zeiten mit der Ausgrenzung von Menschen und Bildern im 3. Reich zu beschäftigen betonte und hofft, dass besonders junge Menschen sich über dieses Medium ansprechen lassen.

Der Abend stand unter dem Motto „Nichts von den dunklen Stunden unserer Geschichte zu verschweigen, bedeutet ganz einfach, eine Idee des Menschen zu verteidigen, seiner Freiheit und Würde.“ Diese Aussage von 1995 stammt von Jacques Chirac, dem ehemaligen französischen Staatspräsidenten.

Unser besonderer Dank gilt den Mitarbeitern der Französischen Botschaft – besonders Frau Louise Coschieri-Sommer – für die erneute Einladung zu diesem außergewöhnlichen Tag. Wir werden diesen intimen und intensiven Moment nicht vergessen. Alle Beteiligten nahmen eine tiefe Dankbarkeit für diese Begegnung in ihren Herzen mit nach Schwedt. Wir waren uns einig, dass wir von diesem Erlebnis noch oft erzählen werden.

Ein herzliches Dankeschön an LUZ, dass er sich für uns diese Zeit genommen hat!

Weitere Presseberichte finden Sie hier: 1. Le petit journal und 2. Tagesspiegel.

Auch einen kleinen Moment der Ruhe konnten wir im Raum der Stille im Brandenburger Tor genießen, es gab viele neue Erlebnisse zu verarbeiten.

Zur Erinnerung an die Toten der Berliner Mauer

Auch das Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Sinti und Roma würdigten wir, zu dem auch ein animierter Kurzfilm gehörte.

Erinnerungen wollten an jeder Ecke gelesen werden.

Zeitzeugenbericht von Esther Senot, Shoah-Überlebende und von Drancy nach Auschwitz Deportierte

Am Dienstag, den 4. Juni 2024 um 18 Uhr konnten Schülerinnen und Schüler des Französischkurses Jahrgang 10 sowie einzelne Schülerinnen und Schüler der LER Kurse der Klassen 10 bei Frau Diller freiwillig in die Französische Botschaft in Deutschland/Berlin kommen, um sich den Bericht von Esther Senot anzuhören und im Rahmen einer Frage-Antwort-Runde mit ihr in Austausch zu treten. Für dieses Treffen wurde ein System zur Simultanverdolmetschung eingerichtet: Auch wenn eine Affinität zum Französischen von Vorteil war, war es somit nicht notwendig, die Sprache zu sprechen.

Esther Senot wurde in Polen geboren und wuchs mit sechs Geschwistern in Frankreich auf, wohin ihre Eltern als nichtpraktizierende Juden und Kommunisten 1930 mit ihr emigriert waren. Während des Zweiten Weltkriegs hatte ihre Familie stark unter den Verfolgungen der Nationalsozialisten zu leiden. Ihr Bruder Marcel wurde deportiert und starb in Auschwitz, während ihre Eltern und ihr Bruder Achille bei der Razzia des Wintervelodroms festgenommen und schließlich nach Auschwitz-Birkenau deportiert und dort getötet wurden. Ihre in Birkenau internierte Schwester Fanny kam dort ebenfalls ums Leben. Esther Senot wurde auf den Todesmarsch geschickt und anschließend in verschiedene Lager überstellt. Im Mai 1945 wurde sie in Mauthausen befreit. Lediglich drei ihrer Brüder haben überlebt: Einer von ihnen hatte sich dem Widerstand in Afrika angeschlossen, ein weiterer lebte in der UdSSR und der dritte arbeitete in Frankreich.

Foto d’Esther Sénot copyright: Ambassade de France en Allemagne / M. Ulrich

Wir bereiteten uns im Unterricht mit kleinen Videos von Esther Senot vor und waren sehr gespannt auf den Bericht und die Botschaft. Der Saal war sehr gut gestuft, so dass alle Zuhörer eine gute Sicht hatten. Esther Senot trat munter in den Saal hörte sich die Lobreden, die zur Einführung gehalten wurden an und sprach dann eineinhalb Stunden über ihr Leben und beantwortete im Anschluss alle Fragen der Schülerinnen und Schüler. Es war ein bewegender Bericht für die Schüler und Schülerinnen und alle waren dankbar dafür, das Sie mit 96 Jahren die Reise von Frankreich nach Deutschland auf sich genommen hatte, um von ihren Erfahrungen zu berichten.

Foto copyright: Ambassade de France en Allemagne / M. Ulrich

Esther Senot hat lange gebraucht, um ihre Erlebnisse so verarbeitet zu haben, dass sie vor Schulklassen darüber berichten kann. Sie tut dies seit 1985. Ein Satz von ihr war sinngemäß: „Wer einmal in Auschwitz war, verläßt es nie wieder.“ Die Möglichkeit, noch einen Überlebenden live zu hören, verdanken wir dem Institut français Deutschland und der Außenstelle der Commission d’indemnisation des victimes de spoliation (Kommission für die Entschädigung der Opfer von Enteignungen) in der Französischen Botschaft in Deutschland, die zu diesem Zeitzeugenbericht von Esther Senot, Shoah-Überlebende und von Drancy nach Auschwitz Deportierte, eingeladen hatten. Vielen Dank dafür!

Die Schüler und Schülerinnen der Talsandschule vor der französischen Botschaft in Berlin.

In der Schule berichteten die Schülerinnen und Schüler in dem Französischkurs und in den LER-Kursen von diesem Abend, wir schauten weitere Videos von Esther Senot und gaben unser Erlebtes weiter und vertieften unser Wissen um diese so unmenschliche Zeit. Es war für den Französischunterricht ebenso wie für den LER-Unterricht eine sehr wertvolle Bereicherung!

Kommentar von Herrn Cnyrim: „Unsere Schülerinnen und Schüler erlebten einen bewegenden und erschütternden Lebensbericht. Frau Senots Zeitzeuginnenbericht erinnerte jeden an seine eigene Verantwortung für gelebte Gerechtigkeit, für den Schutz der Menschenwürde und für das mutige Eintreten für die Freiheit jedes Menschen. Allen Teilnehmenden danke ich sehr für die freiwillige Teilnahme, die gute Vertretung unserer Talsandschule und das ehrliche Interesse. Berichtet den anderen!