Am 15. Dezember 2025 waren wir, die DELF-AG und die AG Schule mit Courage der Gesamtschule Talsand, in die Französische Botschaft in Berlin eingeladen, um einem besonderen Zeitzeugenbericht beizuwohnen. Vertreter des „Collectif Saint-Jean“ schilderten die Geschichte der Razzien, die sich zwischen dem 22. und 24. Januar 1943 in den alten Vierteln in Marseille ereigneten. Schüler und Schülerinnen Berliner und Brandenburger Schulen waren geladen. Die Razzia vom 21. Januar 1943 im alten Hafengebiet Saint-Jean in Marseille wurde von überlebenden Zeitzeugen eindringlich dargestellt. Es ging darum, an ein fast in Vergessenheit geratenes Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu erinnern. Der Abend bildete den Abschluss einer Veranstaltungsreihe, deren Angebote die Gesamtschule Talsand dieses Jahr vollumfänglich genutzt hat. Im Rahmen der Erinnerungsarbeit rund um 80 Jahre der Befreiung waren vielfältige Veranstaltungen im Jahr 2025 durchgeführt worden.
Herr Antoine Mignemi und Frau Suzanne Fritz
Die brutalen und mörderischen Aktionen, die auf Anweisung der französischen Regierung und der nationalsozialistischen Besatzungstruppen mit dem Ziel durchgeführt wurden, das alte Hafenviertel von Marseille zu „säubern“ stellt ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit dar. Die Bewohner des Viertels Saint-Jean am Hafen von Marseille wurden deportierten und das Viertel anschließend gesprengt. Nur das Rathaus blieb verschont. In diesen engen Gassen lebte eine bescheidene und internationale Bevölkerung unterschiedlicher Religionen, einschließlich der Juden, und viele hofften, mit einem Schiff von dort Europa verlassen zu können. Die Zeitzeugen schilderten ihr bescheidenes, aber glückliches Leben in diesem Hafenviertel vor der Razzia. Claude Arovas, Überlebender der Shoah – seine Eltern fielen der Shoah zum Opfer -, Antoine Mignemi – Vorsitzender des „Collectif Saint-Jean 24 janvier 1943“ – und Suzanne Fritz berichteten von der Razzia, die sie als Kinder miterlebten.
Julien Acquatella (CIVS), Antoine Mignemi, Suzanne Fritz, Claude Arovas, Gerard Agresti, Frau Lena Guyomaec’h
Am Sonntag, den 24. Januar 1943, wurden 20.000 Männer, Frauen und Kinder jeden Alters aus ihren Wohnungen geholt, festgenommen und größtenteils ins Lager Fréjus deportiert. Am 17. Februar 1943 wurde das Viertel gesprengt: 1.500 Häuser und 850 Geschäfte wurden auf 14 Hektar wurden zerstört. 82 Straßen und Plätze verschwanden vom Stadtplan. Die Bewohner wurden von Fréjus in Konzentrationslager nach Sachsenhausen, Mauthausen, Buchenwald, Sobibor, Neuengamme und Stutthof deportiert und ermordet.
Pascal Luongno
Erst 2019 erhob der Anwalt Pascal Luongo Anklage wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit, um sicherzustellen, dass diese Razzia nicht in Vergessenheit gerät und sich die Geschichte nicht wiederholt. Das „Collectif Saint-Jean 24 janvier 1943“ wurde gegründet und hat sich zum Ziel gesetzt, die Erinnerung an dieses Verbrechen aufrechtzuerhalten und in den Schulen darüber zu berichten. Dieses bewegende Zeitzeugengespräch vergegenwärtigte die Brutalität dieses geschichtlichen Ereignisses aufs Deutlichste und regte intensiv zum Nachdenken über den Begriff der „Unerwünschten“ und über die Weitergabe dieser Erfahrungen zwischen den verschiedenen Generationen beider Länder an.
Berliner Bettdecke: Leonie, Helena, Rocco und Lucas.
Screentime von Berliner Bettdecke: Lucas, Rocco, Helena, Leonie und Lucia
Social life
Say so von Social life: Anni, Ines, Louis, Maxime und Sacha
Berlin City
Fake Friends von Berlin City: Samira, Nora, Anouck, Juliette und PaulNew in Town von The Aletto Film: Lucie, Lucie, Freyja, Wiktoria und Mia
Deutsch-französische Medienresidenz in Berlin 2025
Vom 18. bis 22. November 2025 fand zum achten Mal die Medienresidenz „Ciné-médias“ in Berlin statt. Es trafen sich dort 10 Schülerinnen der Gesamtschule Talsand im Rahmen der DELF-AG, geleitet von Frau Doris Diller, mit 10 Schülern und Schülerinnen einer Schule aus der Nähe von Bordeaux in Frankreich begleitet von Vera Sohn. Diese Veranstaltung wurde vom Deutsch-Französischen Jugendwerk und dem Büro für Film und Medien des Institut français Deutschland im Rahmen der 25. Französischen Filmwoche organisiert. Ziel des Workshops war es, den Teilnehmern Schlüsselkompetenzen zur Medienbildung zu vermitteln und ihnen durch Vorträge und Workshops von Fachleuten einen Einblick in die Medienwelt zu geben. Die Workshops wurden simultan ins Französische oder Deutsche übersetzt.
Foto: Sebastian Gabsch Fotografie
Tutoren und Fachleute
Die Teilnehmer hatten die Möglichkeit, mit erfahrenen Fachleuten zu arbeiten und zu lernen:
Sylvain Cruiziat ist ein französisch-deutscher Regisseur und Produzent, der in London, Paris und Hongkong aufgewachsen ist. Er hat an der Hochschule für Fernsehen und Film München studiert und seine Filme, unter anderem „Find Fix Finish“ (2017), „The Raft“ (2019) und „Boyz“ (2023), wurden auf internationalen Festivals ausgezeichnet. Seit 2023 arbeitet er mit Coproduction Office, einer internationalen Produktionsfirma, zusammen.
Luis Schubert wuchs in einem französischen Umfeld in München auf und ist Regisseur in Berlin. Nach seinem Studium der Film- und Medienwissenschaft an der Sorbonne in Paris studiert er an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin (DFFB). Seine Kurzfilme wurden von renommierten Sendern wie arte und SWR koproduziert und auf internationalen Festivals in Palm Springs und Berlin (Berlinale/Encounters) gezeigt.
Sylvain und Louis begleiteten die Jugendlichen mit Fachwissen, Humor und unendlicher Geduld durch die Tage und verloren ihr Ziel nie aus den Augen. Obwohl sich die Jugendlichen vorher nicht kannten und aus verschiedenen Kulturen mit unterschiedlichen Muttersprachen kamen, konnten nach drei Tagen intensivem, fröhlichen Schaffens vier Kurzfilme den Mitarbeitern des Instituts präsentiert werden:
New in Town von der Gruppe „The Aletto Film“: Lucie, Lucie, Freya, Wiktoria und Mia
Fake Friends von der Gruppe „Berlin City“ – Samira, Nora, Paul, Anouck, Juliette
Screentime von der Gruppe „Berliner Bettdecke“ – Helena, Leonie, Rocco, Lucas und Lucia
Say so von der Gruppe „Social Life“ – Ines, Anni, Louis, Maxime und Sacha
Auf dem Weg zum Insitut français.
Ablauf der Medienresidenz
Ankunft – Dienstag, 18. November
Die Teilnehmer aus Frankreich kamen am Berliner Flughafen BER an und checkten im Hotel Aletto ein. Nach einem gemeinsamen Abendessen im italienischen Restaurant „Vapiano“ war das Eis gebrochen, im Hotel spielte man noch eine Runde Werwolf/Loupsgarou und es fand der erste Tag der Medienresidenz statt.
Tag 1 – Mittwoch, 19. November
Begrüßung und Einführung durch das Institut français durch Anne Vassière und das Deutsch-Französische Jugendwerk/OFAJ.
Eisbrecher-Spiele zur Förderung des Kennenlernens.
Masterclass zum Thema „Escapismus im Film“ mit der Regisseurin Zora Rux.
An Hand des Kurzfims „What happens in your brain if you see a german word like
Weltschmerzverdrängungskonsumkritikausschüttungsmechanismuszeugentumschlagargumentgedankengebäude-verbot?“. besprachen wir die verschiedenen Effekte im Film.
Anschließend wurden die Drehbücher für die Kurzfilme geschrieben geschrieben.
Das Abendessen genossen die Teilnehmer in der Repke Spätzlerei.
Abends im Aletto.
Tag 2 – Donnerstag, 20. November
Masterclass zur Bildgestaltung mit Christoph Hochhäusler, deutscher Regisseur und Autor der Berliner Filmhochschule.
Es schwirrte nur so von Fachbegriffen: Einstellungen, POV-Sandwich (Betrachter + Point of View + Betrachter) Kamerabewegungen, Bildformate … alles an Hand von Filmbeispielen anschaulich gezeigt.
Es folgten die Proben und Dreharbeiten der Kurzfilme.
Einst ausschließlich in Berlin verortet, findet die Französische Filmwoche zwischenzeitlich in 27 Städten statt. Am Abend fand die Eröffnung im Delphi Filmpalast statt, wo der Film „L’Etranger“ (eine Adaptation des Buches von Albert Camus Der Fremde) von François Ozon gezeigt wurde. François Delattre (Botschafter der Republik Frankreich in Deutschland) eröffnete in Anwesenheit des Regisseurs François Ozon die Französische Filmwoche. François Ozon Ozon beantwortete dem Publikum ausführlich Fragen zum Film. Der Film L’Étranger startet am 01.01.2026 in den deutschen Kinos.
Tag 3 – Freitag, 21. November
Montage der Kurzfilme
Besuch des Green-Screen-Studios im Institut français „Sur Mesure“. Hier führte uns Pierre-Jérôme Adjedj in die Technik ein und die Kinder konnten zuschauen, wie ihre Gesichter in andere Hintergründe eingefügt oder die ganze Person in ein Schachspiel gestellt wurde. Alle technischen Möglichkeiten wurden genau erklärt.
15:30 Uhr Präsentation der Kurzfilme vor Publikum und anschließende Diskussion.
Im Cinéma de Paris wohnten wir dem Film von Cinéfête „Le Panache“ bei und waren anschließend zu einem Empfang im Boris Vian Saal des Institut français eingeladen.
Foto: Sebastian Gabsch Fotografie
Foto: Sebastian Gabsch Fotografie
Um 19:00 Uhr trafen wir uns im Restaurant „Zen“ zum Essen.
La femme la plus riche au monde von Thierry Klifa mit Isabelle Huppert.
Anschließend wohnten wir um 20:30 Uhr der deutschen Vorpremiere des Films „Die reichste Frau der Welt“ mit der französischen Schauspielerin Isabelle Huppertin der Hauptrolle im Cinéma Paris in Anwesenheit des Regisseurs Thierry Klifa bei.
Doris Diller, Thierry Klifa, Ines Penke
Tag 4 – Samstag, 22. November
Nach einem gemeinsamen Frühstück im Hotel Aletto verabschiedeten sich die Teilnehmer voneinander.
Ergebnisse der Medienresidenz
Diese kreative Zusammenarbeit und der Austausch zwischen den Teilnehmern aus Deutschland und Frankreich haben nicht nur das Verständnis für die Medienwelt vertieft, sondern auch wertvolle interkulturelle Erfahrungen ermöglicht. Die Medienresidenz war ein voller Erfolg und wird sicherlich lange in Erinnerung bleiben und die deutsch-französischen Freundschaft festigen.
Unser besonderer Dank gilt den Leitern des Workshops Luis Schubert und Sylvain Cruiziat, Zora Rux, Christoph Hochhäusler und Pierre-Jérôme Adjedj, sowie Anne Vassevière, Alicia Theokritoff und Louise Coschieri-Sommer vom Institut français in Berlin.
Weitere Impressionen unser Zeit in Berlin:
In der Médiathèque konnte man sich umschauen….
Vor der Französischen Botschaft.
Besuch im französischen Buchladen Zadig – Librairie françaiseZadig in Berlin.
Besuch der Sophienkirche, in der Martin Luther King gepredigt hat.
Nun heißt es Abschied nehmen… ein paar Tränen fließen….