Bericht über die Filmvorführung „Le projet“ am 10. Februar 2025 im City Kino Wedding, Berlin

Einladung und Organisation
Wir möchten uns herzlich bei der CIVS (Commission pour l’indemnisation des victimes de spoliations antisémites) der Französischen Botschaft für die erneute Einladung zu einer bedeutenden Veranstaltung bedanken. Als Schule aus Brandenburg sind wir sehr dankbar für die kontinuierliche Möglichkeit, an solch wertvollen Bildungsangeboten teilnehmen zu können, die unseren Schülerinnen und Schülern einzigartige Begegnungen mit der Geschichte im Rahmen der AG Schule mit Courage sowie der DELF-AG ermöglichen.
Am 10. Februar 2025 um 18:00 Uhr waren wir eingeladen, gemeinsam mit unseren Schülerinnen und Schülern die Vorführung des Dokumentarfilms „Le projet“ von Regisseurin Margaux Chouraqui im City Kino Wedding in Berlin (Müllerstraße 74, 13349 Berlin) zu besuchen. Die Veranstaltung war für Schulen kostenlos, und der französischsprachige Film wurde mit deutschen Untertiteln gezeigt, was ihn für unsere Schülerschaft gut zugänglich machte.
Der Film „Le projet“
Die Protagonisten:
„Le projet“ ist ein außergewöhnlicher Dokumentarfilm, der sich als Bildungsinstrument zur Vermittlung europäischer Geschichte an junge Menschen versteht. Der Film erzählt eine bemerkenswerte menschliche Erfahrung und schafft einen Dialog zwischen den Erinnerungen an die Shoah und den Algerienkrieg, die mit der Vielfalt der Einwanderungsgeschichten der Schülerinnen und Schüler des Collège Flaubert in Resonanz treten.
Im Zentrum des Films steht Izio Rosenman, ein polnisch-jüdisches Kind, das das Konzentrationslager Buchenwald überlebt hat und seit 1953 im Viertel des Collège Flaubert lebt. Nach seiner Begegnung mit Kamel Chabane – einem Bewohner desselben Viertels, der Historiker wurde, um das tragische Verschwinden seines Vaters zu verstehen, der im Algerienkrieg als Soldat eingezogen worden war – entschied sich Izio Rosenman zu einem außergewöhnlichen Schritt: Er würde zum ersten Mal in seinem Leben vor Schülerinnen und Schülern als Zeitzeuge auftreten.
Das Projekt:
Izio Rosenman beteiligte sich am Projekt einer neunten Klasse des Collège Flaubert. Gemeinsam mit den Jugendlichen reiste er nach Buchenwald, wo er seine Lebensgeschichte erzählte – von seiner Kindheit im Ghetto bis zu seinen Erfahrungen im Konzentrationslager. Die Besonderheit: Die Schülerinnen und Schüler, die ihn filmten, waren etwa so alt wie Izio Rosenman während des Zweiten Weltkriegs. Diese Perspektive schafft eine einzigartige emotionale Verbindung und macht die Geschichte für junge Menschen unmittelbar nachvollziehbar.
Wirkung des Films:
Der Film dokumentiert eindrucksvoll, wie dieses Projekt alle Beteiligten verändert hat. Er zeigt die transformative Kraft der Begegnung mit Zeitzeugen und die Bedeutung der aktiven Auseinandersetzung mit Geschichte. Die Schülerinnen und Schüler des Collège Flaubert – mit ihren vielfältigen familiären Migrationsgeschichten – finden in Izio Rosenmans Erzählung Anknüpfungspunkte zu ihren eigenen Erfahrungen von Flucht, Vertreibung und Neuanfang.
Die Podiumsdiskussion
Im Anschluss an die Filmvorführung fand eine hochkarätig besetzte Podiumsdiskussion statt, die den Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit bot, direkt mit den Beteiligten ins Gespräch zu kommen:
Izio Rosenman – Überlebender von Buchenwald und Protagonist des Films:

Seine Anwesenheit war ein besonderes Geschenk. Die Schülerinnen und Schüler konnten einem Menschen begegnen, der als Kind die Schrecken des Holocaust überlebt hat und nun, im hohen Alter, seine Geschichte mit jungen Menschen teilt. Seine Bereitschaft, nach Jahrzehnten des Schweigens zu sprechen, zeugt von großem Mut und dem Willen zur Weitergabe der Erinnerung.
Margaux Chouraqui – Regisseurin des Films:
Die Filmemacherin gab Einblicke in die Entstehung des Projekts und die filmische Umsetzung. Sie erklärte ihre künstlerischen Entscheidungen und die Herausforderungen, ein so sensibles Thema mit Jugendlichen zu bearbeiten. Ihre pädagogische Herangehensweise machte deutlich, wie Film als Medium der Geschichtsvermittlung funktionieren kann.
Kamel Chabane – Historiker und Initiator des Projekts:
Als Historiker und selbst Kind eines Opfers des Algerienkriegs verkörpert Kamel Chabane die Verbindung verschiedener Erinnerungskulturen. Seine persönliche Geschichte und sein wissenschaftlicher Zugang zeigten, wie individuelle Betroffenheit zu historischer Forschung und pädagogischem Engagement führen kann. Die Vorgehensweise von Claude Lanzmann inspirierte ihn hierbei sehr. Die Frau von Claude Lanzamnn war bei der Vorführung auch zugegen.
Dr. Ulrich Baumann – Kurator der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas:
Als Experte für Holocaust-Erinnerung und Gedenkstättenarbeit konnte Dr. Baumann die historischen Ereignisse einordnen und die Bedeutung von Erinnerungsorten wie dem Holocaust-Mahnmal in Berlin erläutern. Seine Perspektive verdeutlichte die Notwendigkeit institutionalisierter Erinnerungsarbeit.
Bedeutung für unsere Schule
Die Teilnahme an dieser Veranstaltung war für unsere Schülerinnen und Schüler aus mehreren Gründen von großer Bedeutung:
Authentische Begegnung mit Geschichte:
Die Möglichkeit, Izio Rosenman persönlich zu begegnen, ist angesichts der immer kleiner werdenden Zahl von Zeitzeugen ein unschätzbares Privileg. Solche Begegnungen hinterlassen nachhaltigere Eindrücke als jeder Geschichtsunterricht im Klassenzimmer.
Multiperspektivität:
Der Film und die Diskussion zeigten verschiedene Perspektiven auf Geschichte: die des Überlebenden, die der nachfolgenden Generation, die der Wissenschaft und die der künstlerischen Vermittlung. Diese Vielfalt fördert differenziertes historisches Denken. Fragen nach der Aufarbeitung des Nationalsozialismus in der BRD, der DDR, Polens und weiterer Länder wurden eenso erörtert, wie Fragen nach dem Gegenteil von Liebe.
Aktualität und Lebensweltbezug:
Die Verbindung zwischen der Geschichte der Shoah und den vielfältigen Migrationsgeschichten heutiger Schülerinnen und Schüler macht deutlich, dass Geschichte nicht abstrakt ist, sondern konkrete Menschen und ihre Familien betrifft.
Methodische Anregungen:
Der Film zeigt eindrucksvoll, wie Schülerinnen und Schüler selbst zu Produzenten von Geschichtsvermittlung werden können. Das Projekt des Collège Flaubert kann als Inspiration für eigene schulische Projekte dienen.
Französischsprachige Bildung:
Für unsere Französischlernenden war der Film (mit deutschen Untertiteln) eine wertvolle Gelegenheit, ihre Sprachkenntnisse in einem authentischen Kontext anzuwenden und gleichzeitig Einblicke in die französische Erinnerungskultur zu gewinnen.
Dank an die Französische Botschaft, die CIVS und das Institut français:
Wir möchten uns ausdrücklich bei Herrn Julien Acquatella CIVS und Frau Gabrielle Lefèvre vom Institut français und der Französischen Botschaft für diese erneute Einladung bedanken. Die kontinuierliche Zusammenarbeit ermöglicht es unserer Schule, regelmäßig an hochwertigen Bildungsveranstaltungen teilzunehmen, die weit über das hinausgehen, was im regulären Unterricht möglich ist.
Besonderer Dank gilt:
Der CIVS für die Organisation und die kostenlose Bereitstellung der Veranstaltung für Schulen.
Der Französischen Botschaft für ihr Engagement in der deutsch-französischen Bildungsarbeit und Erinnerungskultur.
Dem Institut français für die Koordination.
Den Podiumsteilnehmern, insbesondere Izio Rosenman, für ihre Bereitschaft, mit jungen Menschen in Dialog zu treten.
Frau Dana Chanussot vom City Kino Wedding für den kostenlosen Eintritt.
Diese Veranstaltungen sind für eine Schule aus Brandenburg, die nicht in unmittelbarer Nähe zu Berlin liegt, besonders wertvoll. Sie ermöglichen unseren Schülerinnen und Schülern Zugang zu Bildungsangeboten, die sonst schwer erreichbar wären.
Nachbereitung und Ausblick
Im Anschluss an die Veranstaltung haben wir im Unterricht ausführlich über den Film und die Diskussion gesprochen. Die Schülerinnen und Schüler haben ihre Eindrücke reflektiert und diskutiert, welche Bedeutung Zeitzeugenarbeit und Erinnerungskultur für sie persönlich haben. Wir werden den Film „Le projet“ sicherlich noch viele Jahre in unserem Unterricht verwenden, da er nun auch öffentlich eingestellt wurde.
Fazit
Die Filmvorführung von „Le projet“ und die anschließende Podiumsdiskussion waren eine außerordentlich wertvolle Erfahrung für unsere Schülerinnen und Schüler. Der Film zeigt eindrucksvoll, wie Geschichtsvermittlung gelingen kann, wenn sie auf persönlichen Begegnungen, Empathie und aktivem Engagement basiert.
Die Veranstaltung hat unseren Schülerinnen und Schülern vor Augen geführt, dass:
Geschichte nicht abstrakt ist, sondern konkrete Menschen betrifft
Zeitzeugen unersetzliche Vermittler von Erinnerung sind
Junge Menschen aktiv an Erinnerungsarbeit teilhaben können
Verschiedene Erinnerungskulturen (Shoah, Kolonialismus, Migration) miteinander verbunden sind
Engagement gegen Rassismus und Antisemitismus notwendig und möglich ist
Wir freuen uns sehr auf weitere Einladungen der CIVS und der Französischen Botschaft und hoffen, dass diese wertvolle Zusammenarbeit fortgesetzt werden kann. Als Schule aus Brandenburg sind wir besonders dankbar für diese Möglichkeiten, die unseren Schülerinnen und Schülern Horizonte eröffnen, die über den regulären Unterricht weit hinausgehen.
Die Veranstaltung hat einmal mehr gezeigt, wie wichtig außerschulische Lernorte und Kooperationen mit Institutionen wie der Französischen Botschaft für eine umfassende Bildung sind. Sie ergänzen den Unterricht nicht nur, sondern sind ein unverzichtbarer Bestandteil einer Bildung, die junge Menschen zu mündigen, empathischen und engagierten Bürgern erzieht.
Herzlichen Dank für diese wertvolle Erfahrung und die kontinuierliche Unterstützung unserer pädagogischen Arbeit!



















































