Zur Präsentation der Ergebnisse des deutsch-polnischen Workshops „Familiengeschichten“ im Jüdischen Museum Schwedt/Oder trafen sich die AG Schule mit Courage der Gesamtschule Talsand, Teilnehmende des Projektes mit ihren Lehrkräften aus Schwedt und Chojna sowie interessierte Bürger und Bürgerinnen der Stadt Schwedt zu einem gemütlichen Beisammensein. Die Teilnehmenden der Gesamtschule Talsand und der Schule aus Chojna haben ihre Tagebücher als selbstgestaltete Leporellos vorgestellt. Zu sehen sind interessante Einblicke und kreative Umsetzungen, die die persönlichen Familiengeschichten, die Geschichten der Orte Schwedt und Chojna und das gemeinsame Arbeiten im Workshop lebendig werden lassen.
Die Ausstellung „In Echt?“ konnte danach ebenfalls von den Besuchern erkundet werden.
Dank des unermüdlichen Übersetzers konnten die Beiträge in deutscher, wie in polnischer Sprache von allen verstanden werden!
Danach kamen wir unter dem Wallnussbaum gemütllich zu Gesprächen zusammen. Der leckere Imbiss versüßte zusätzlich den Gaumen.
Wir bedanken uns für die viele Mühe, die von Seiten der Museumsmitarbeiterinnen in dieses Projekt und die Ausstellungseröffnung hineingegeben wurde, die gute Zusammenarbeit mit der Schule aus Chojna und hoffen auf weitere Begegnungen an diesem schönen Ort!
Schade, dass nicht alle an diesem Tag Zeit für die Ausstellungseröffnung hatten, die bei der Erstellung der Leporellos dabei waren!
Im Rahmen des LER-Unterrichts (Lernen – Erinnern – Reflektieren) besuchten die Schüler und Schülerinnen der Klasse 9.3 am 11.06.2026 mit Frau Diller das Jüdische Museum Schwedt an der Oder, um die Sonderausstellung „In Echt?“ zu erkunden.
Die Ausstellung, die sich mit den Themen Erinnerungskultur, Medienkompetenz, Holocaust und Zukunft auseinandersetzt, bot eine intensive und interaktive Auseinandersetzung mit historischen und gesellschaftlichen Fragen.
Ablauf und Arbeitsweise
Die Klasse arbeitete in kleinen Gruppen und durchlief sieben Stationen, die speziell für die Ausstellung konzipiert waren. Jede Station forderte die Schüler und Schülerinnen auf, sich kritisch mit verschiedenen Aspekten der Erinnerungskultur und der Rolle von Medien auseinanderzusetzen. Dabei standen folgende Schwerpunkte im Mittelpunkt:
Erinnerungskultur: Wie wird an die Opfer des Holocaust erinnert, und welche Bedeutung hat dies für die Gegenwart?
Medienkompetenz: Wie können Medien genutzt werden, um historische Ereignisse zu vermitteln – und wo liegen die Grenzen?
Holocaust: Eine Auseinandersetzung mit den historischen Fakten und der Bedeutung für die heutige Gesellschaft.
Zukunft: Wie kann Erinnerungskultur in einer digitalen Welt gestaltet werden?
Die Stationen waren abwechslungsreich gestaltet und umfassten Texte, Bilder, Volumetrische Aufnahmen, Audio- und Videomaterialien sowie Bücher. Die Schüler und Schülerinnen wurden angeregt, sich aktiv einzubringen, Fragen zu stellen und eigene Gedanken zu entwickeln.
Reflexion und Ergebnisse
Am Ende der Ausstellung kamen alle Gruppen zusammen, um ihre Erkenntnisse und Eindrücke auszutauschen. Besonders beeindruckend war, wie die Ausstellung es schaffte, historische Themen mit aktuellen Bezügen zu verknüpfen. Die Schüler und Schülerinnen zeigten sich nachdenklich und engagiert, insbesondere bei der Diskussion darüber, wie Erinnerungskultur in einer sich wandelnden Medienlandschaft lebendig gehalten werden kann und welchen ökologischen Fußabdruck dies hinterläßt.
Fazit
Der Besuch der Ausstellung „in Echt?“ war eine bereichernde Erfahrung, die den Schülern und Schülerinnen nicht nur historisches Wissen vermittelte, sondern auch ihre kritische Denkfähigkeit und Medienkompetenz stärkte.
Ein großer Dank gilt dem Jüdischen Museum Schwedt an der Oder für die hervorragende Betreuung und die anregende Gestaltung der Ausstellung. Immer wieder eine sehr gelungene Zusammenarbeit mit diesem außerschulischen Lernpartner! Solche Projekte zeigen, wie wichtig es ist, sich auch heute noch mit der Vergangenheit auseinanderzusetzen – um eine verantwortungsvolle Zukunft zu gestalten. Der schlöne Ort wird den Schülern in positiver Erinnerung bleiben.
Wir empfehlen die Ausstellung gerne weiter und wünschen ihr viele Besucher.
AG-Schule mit Courage: Erinnern ist ein Schritt der Versöhnung
Am Montag, den 11. Mai 2026, besuchte die AG-Schule mit Courage mit acht Schülerinnen und Schülern des Jahrgangs 8 und 11 der Gesamtschule Talsand die Französische Botschaft in Berlin. Anlass war die Eröffnung der Ausstellung „Rafle du billet vert“ mit einem Zeitzeugenbericht von Frau Liliane Ryszfeld, der Tochter von Mosjez Stoczyk.
Erst kürzlich erhielt das Mémorial de la Shoah in Paris 98 wiedergefundene Fotos der „Rafle du billet vert“ vom 14. Mai 1941 in Paris. Diese Razzia war bis dahin kaum bekannt, obwohl sie die erste große Razzia im Rahmen der systematischen Verfolgung und Ermordung der Juden in Frankreich darstellte. Beauftragt wurde sie von Theodor Dannecker, einem Vertreter Adolf Eichmanns, der nach Paris entsandt worden war.
6700 jüdische Männer osteuropäischer Herkunft wurden von der französischen Polizei unter dem Vorwand einer Statusüberprüfung mit einem grünen Schein („billet vert“) zu einer Versammlung einbestellt. Sie sollten in Begleitung einer Bezugsperson erscheinen. 3.747 der einberufenen Männer folgte dem Aufruf ahnungslos – viele von ihnen hatten 1939 für Frankreich gekämpft und hofften auf eine Verbesserung ihrer Situation. Doch es handelte sich um eine gemeine Falle: Die Männer wurden in eine Turnhalle gebracht, während die Frauen nach Hause geschickt wurden, um warme Decken, Kleidung und Proviant für zwei Tage zu holen. Als sie zurückkehrten, durften sie nicht mehr zu ihren Männern und wurden abgewiesen. Die Männer wurden stattdessen in die Lager Pithiviers und Beaune-la-Rolande deportiert und ein Jahr später nach Auschwitz.
Die ausgestellten Fotos zeigen die offiziellen deutschen Vertreter, französischen Polizisten und die abschiednehmenden Familien. Aufgenommen wurden sie von Harry Corner, einem deutschen Fotografen, der im Auftrag der deutschen Propaganda arbeitete. Nur fünf der Aufnahmen wurden veröffentlicht, der Rest wurde zensiert. Corner, dessen Vater Jude war, dokumentierte die menschlichen Dramen und wurde später suspendiert und in ein Arbeitslager gebracht.
Der Wert dieser Bilder ist unschätzbar, da es nur sehr wenige fotografische Zeugnisse der Durchführung der „Endlösung der Judenfrage“ in Frankreich gibt. Corner hielt alle Phasen der Razzia fest. Zum Vergleich: Von der „Rafle du Vél d’Hiv“, bei der 13.000 Menschen deportiert wurden, existiert bis heute nur ein einziges Foto.
Die Ausstellung wird in Frankreich nicht nur für Schülerinnen und Schüler didaktisch aufbereitet, sondern dient auch der Ausbildung von Polizisten. Ziel ist es, sie für Situationen zu sensibilisieren, in denen Ungehorsam gegenüber unmoralischen Befehlen angemessen ist.
Besonders berührend war der Bericht von Lior Lalieu, der Verantwortlichen der Fotothek des Mémorial de la Shoah, die über das Auffinden der Fotos berichtete. Doch der Zeitzeugenbericht von Liliane Ryszfeld war zutiefst bewegend. Sie erzählte von der Liebe ihres Vaters, die er ihr in zahlreichen Briefen aus dem Lager bezeugte, sowie von seinem unerschütterlichen Optimismus. Noch ein Jahr vor seiner Deportation nach Auschwitz schickte er ein Gruppenfoto mit der Aufschrift: „Ein Urlaubsfoto für Euch, die ich liebe, aus dem Lager.“ Er kehrte nicht zurück. „Die Rafle du billet vert“ hat mein Leben verändert und ist die Ursache all meiner Alpträume.“
Liliane Ryszfeld selbst überlebte, indem sie in einem christlichen Waisenhaus in der freien Zone Frankreichs drei Jahre versteckt lebte – getarnt als Christin.
Ihren Rat an die Jugend formulierte sie klar: „Nutzt eure Zeit und lest viel.“
Die Ausstellung in der Rue de France in der Französischen Botschaft nutzt die baulichen Gegebenheiten auf eindrucksvolle Weise. Ritze in den Wänden wurden genutzt, um Texte zu platzieren, Tondokumente von Zeitzeugenberichten ergänzen die Fotos, und der Blick von der Empore der Turnhalle der 800 in die Falle gelockten Männer wurde auf der großen Fensterfläche oberhalb der Straße eindrucksvoll inszeniert. Die Fotos selbst sprechen für sich.
Wir bedanken uns ganz herzlich bei allen Beteiligten an dieser Ausstellungseröffnung und fühlen uns geehrt, wieder Gast in der Französischen Botschaft gewesen zu sein.
Am 15. Dezember 2025 waren wir, die DELF-AG und die AG Schule mit Courage der Gesamtschule Talsand, in die Französische Botschaft in Berlin eingeladen, um einem besonderen Zeitzeugenbericht beizuwohnen. Vertreter des „Collectif Saint-Jean“ schilderten die Geschichte der Razzien, die sich zwischen dem 22. und 24. Januar 1943 in den alten Vierteln in Marseille ereigneten. Schüler und Schülerinnen Berliner und Brandenburger Schulen waren geladen. Die Razzia vom 21. Januar 1943 im alten Hafengebiet Saint-Jean in Marseille wurde von überlebenden Zeitzeugen eindringlich dargestellt. Es ging darum, an ein fast in Vergessenheit geratenes Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu erinnern. Der Abend bildete den Abschluss einer Veranstaltungsreihe, deren Angebote die Gesamtschule Talsand dieses Jahr vollumfänglich genutzt hat. Im Rahmen der Erinnerungsarbeit rund um 80 Jahre der Befreiung waren vielfältige Veranstaltungen im Jahr 2025 durchgeführt worden.
Herr Antoine Mignemi und Frau Suzanne Fritz
Die brutalen und mörderischen Aktionen, die auf Anweisung der französischen Regierung und der nationalsozialistischen Besatzungstruppen mit dem Ziel durchgeführt wurden, das alte Hafenviertel von Marseille zu „säubern“ stellt ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit dar. Die Bewohner des Viertels Saint-Jean am Hafen von Marseille wurden deportierten und das Viertel anschließend gesprengt. Nur das Rathaus blieb verschont. In diesen engen Gassen lebte eine bescheidene und internationale Bevölkerung unterschiedlicher Religionen, einschließlich der Juden, und viele hofften, mit einem Schiff von dort Europa verlassen zu können. Die Zeitzeugen schilderten ihr bescheidenes, aber glückliches Leben in diesem Hafenviertel vor der Razzia. Claude Arovas, Überlebender der Shoah – seine Eltern fielen der Shoah zum Opfer -, Antoine Mignemi – Vorsitzender des „Collectif Saint-Jean 24 janvier 1943“ – und Suzanne Fritz berichteten von der Razzia, die sie als Kinder miterlebten.
Julien Acquatella (CIVS), Antoine Mignemi, Suzanne Fritz, Claude Arovas, Gerard Agresti, Frau Lena Guyomaec’h
Am Sonntag, den 24. Januar 1943, wurden 20.000 Männer, Frauen und Kinder jeden Alters aus ihren Wohnungen geholt, festgenommen und größtenteils ins Lager Fréjus deportiert. Am 17. Februar 1943 wurde das Viertel gesprengt: 1.500 Häuser und 850 Geschäfte wurden auf 14 Hektar wurden zerstört. 82 Straßen und Plätze verschwanden vom Stadtplan. Die Bewohner wurden von Fréjus in Konzentrationslager nach Sachsenhausen, Mauthausen, Buchenwald, Sobibor, Neuengamme und Stutthof deportiert und ermordet.
Pascal Luongno
Erst 2019 erhob der Anwalt Pascal Luongo Anklage wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit, um sicherzustellen, dass diese Razzia nicht in Vergessenheit gerät und sich die Geschichte nicht wiederholt. Das „Collectif Saint-Jean 24 janvier 1943“ wurde gegründet und hat sich zum Ziel gesetzt, die Erinnerung an dieses Verbrechen aufrechtzuerhalten und in den Schulen darüber zu berichten. Dieses bewegende Zeitzeugengespräch vergegenwärtigte die Brutalität dieses geschichtlichen Ereignisses aufs Deutlichste und regte intensiv zum Nachdenken über den Begriff der „Unerwünschten“ und über die Weitergabe dieser Erfahrungen zwischen den verschiedenen Generationen beider Länder an.
Ruth Weiss war mehr als eine Zeitzeugin des Holocaust – sie war eine Stimme der Haltung. 101 Jahre Mut, Menschlichkeit und Widerstand gegen Rassismus und Antisemitismus. Leider ist sie am 05. September 2025 verstorben, so dass wir dem „Zweitzeugen“, ihrem langjährigen Freund und Lektor Lutz Kliche lauschen konnten, der mit Ruth Weiss noch das Buch
„Erinnern heißt handeln – Mein Jahrhundertleben für Demokratie und Menschlichkeit“
herausbrachte. Zusätzlich unterstütze Herr Jörg Stopa von der RAA Brandenburg die Diskussion. Er ist zertifizierter Mediator / Konfliktmanager und Anti-Bias-Multiplikator. Gefördert wurde die Veranstaltung vom Bildungsministerium.
Jörg Stopa und Lutz Kliche
Am Dienstag, den 16.12.2025 brachte Lutz Kliche seinen Erfahrungsschatz in Bezug auf Ruth Weiss Leben zu uns an die Talsandschule: Mit Auszügen aus dem Buch, Original-Audiozitaten von Ruth Weiss und einem offenen Gespräch über Menschenwürde, Demokratie und Zivilcourage berichtete Lutz Kliche im Rahmen der AG-Schule mit Courage in der Aula vor interessierten Schülern und Schülerinnen.
Es ging nicht um Vergangenheit als Pflichtstoff – sondern um Erinnerung als Haltung.
Ruth Weiss war unermüdlich in ihrem Engagement gegen Ausgrenzung, Rassismus und Antisemitismus.
Die Themen waren vielfältig: Geschichte der Juden in Fürth, der Nationalsozialismus in Deutschland, insbesondere der Reichstagsbrand 1933 und die Etablierung der NS-Herrschaft, das Propagandablatt „Der Stürmer“ und dessen Gründer und Herausgeber Julius Streicher, der Judenboykott am 1.4.1933, die Nürnberger Gesetze von 1935 und die Apartheid in Südafrika, Apartheid als staatlich festgelegte und organisierte rassistische Diskriminierung.
Die Zeit verging wie im Flug, wir wünschen uns im neuen Jahr eine Fortsetzung!
Traditionell besuchte die Jahrgangsstufe 10 unserer Schule, diesmal mit 147 Schülern, die nationale Mahn- und Gedenkstätte Sachsenhausen bei Oranienburg. An drei Tagen erinnerten und gedachten je zwei Klassen den Opfern der nationalsozialistischen und kommunistischen Gewaltherrschaft.
Schülerexkursionen zu Mahn- und Gedenkstätten spielen eine entscheidende Rolle in der historischen Bildung und der Förderung des gesellschaftlichen Bewusstseins. Diese Exkursionen ermöglichen es den Schülern, sich direkt mit der Geschichte auseinanderzusetzen und die Auswirkungen von Krieg, Verfolgung und Unrecht hautnah zu erleben. Der Besuch solcher Stätten fördert nicht nur das Verständnis für die Vergangenheit, sondern regt auch zur Reflexion über die Werte von Toleranz, Respekt und Menschenrechten an.
Das Konzentrationslager Sachsenhausen wurde 1936 von den Nationalsozialisten in der Nähe von Oranienburg errichtet und diente zunächst als Modelllager, nach dem alle Konzentrationslager auf deutschem Boden ausgerichtet werden sollten. Im Laufe der Jahre wurden dort zehntausende Menschen aus verschiedenen politischen, ethnischen und sozialen Gruppen inhaftiert, darunter Juden, Kommunisten, Sozialdemokraten, Zeugen Jehovas, Sinti und Roma, Homosexuelle, sog. Asoziale und andere Verfolgte. Die Häftlinge litten unter unmenschlichen Bedingungen, Zwangsarbeit und systematischer Gewalt.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs übernahm die sowjetische Besatzungsmacht das Lager und richtete dort das Speziallager Nr. 7 ein. Dieses Lager diente der Inhaftierung von ehemaligen Nationalsozialisten, politischen Gegnern und Personen, die als Bedrohung für die sowjetische Herrschaft angesehen wurden. Die Bedingungen im Speziallager waren ebenfalls menschenunwürdig, und viele Häftlinge starben aufgrund von Unterernährung, Krankheiten oder Misshandlungen.
Heute ist die Gedenkstätte Sachsenhausen ein Ort des Erinnerns und der Aufarbeitung der Verbrechen, die sowohl im nationalsozialistischen Konzentrationslager als auch im sowjetischen Speziallager begangen wurden. Sie dient der Aufklärung über die Geschichte und der Mahnung, damit sich solche Gräueltaten nicht wiederholen.
Durch die persönliche Auseinandersetzung mit den Geschichten und Schicksalen der Menschen, die an diesen Orten litten, entwickeln die Schüler Empathie und ein tieferes Bewusstsein für die Verantwortung, die sie in der heutigen Gesellschaft tragen. Zudem bieten diese Exkursionen eine wertvolle Gelegenheit, den Dialog über aktuelle gesellschaftliche Themen zu fördern und das Bewusstsein für die Gefahren von Extremismus und Intoleranz zu schärfen. Insgesamt tragen Schülerexkursionen zu Mahn- und Gedenkstätten wesentlich zur Bildung einer informierten und verantwortungsbewussten Generation bei.
Das Verlesen von Zeitzeugenberichten und Gedenkworten sowie das Niederlegen von Kränzen übernahmen u. a. Hannes Grunz, Leon Schlosser, Jonas Wojtechovsky und Ellie Koppe, denen dafür ein besonderer Dank gebührt.
Die jeweils mehrstündigen Führungen standen unter der sachkundigen Leitung von Frau A. Melchert, Herrn R. Johs und Frau A. Maschke.
HaupteingangVerlesen der …… Zeitzeugenberichte und GedenkworteNiederlegen der …Ort zentraler Hinrichtungen… GedenkgesteckeErinnernMahnenGedenkenGeheime …… Häftlings- …… zeichnungenSondergefängnis der GestapoZelle im SondergefängnisGrausames PfahlhängenKartoffelkellerHinrichtungsgalgenPrügelbockNS-PropagandaStation Z mit Genickschussanlage, Gaskammern und Krematorien – Grauen des Todes
Das Leben ist eine Lektion der Resilienz – Zeitzeugenbericht von Lily Leignel (geb. Keller-Rosenberg), Überlebende der Vernichtungslager Ravensbrück und Bergen-Belsen
Herr Cnyrim, Herr Acquatella, Frau Dörk, Frau Lili Keller-Rosenberg, Herr Link, Herr Moritz, Frau Vom Hofe, Frau Diller
Am 5. November 2025 bot sich rund 120 Schülerinnen und Schülern der Gesamtschule Talsand die besondere Gelegenheit, den ergreifenden Bericht von Frau Lili Leignel (geb. Keller-Rosenberg), einer Überlebenden der Vernichtungslager Ravensbrück und Bergen-Belsen, zu folgen. Seit vielen Jahren setzte sich Frau Leignel aktiv dafür ein, ihre Erfahrungen weiterzugeben und junge Generationen über die Gefahren von Antisemitismus und Intoleranz aufzuklären.
Am 15. September 1932 in Croix (Nordfrankreich) in eine jüdische Familie ungarischer Abstammung geboren, wurde Lili Keller-Rosenberg im Alter von nur 11 Jahren, am 27. Oktober 1943, zusammen mit ihrer Familie verhaftet und in das Sammellager Mechelen in Belgien transportiert. Während ihr Vater nach Buchenwald deportiert wurde, erlebte sie mit ihrer Mutter und ihren Brüdern die Deportation nach Ravensbrück und später nach Bergen-Belsen, wo sie am 15. April 1945 befreit wurde.
Nach der Begrüßung und Einführung durch Herrn Rektor Carl Cnyrim, folgten eindringliche Grußworte von Frau Karina Dörk, Landrätin der Uckermark, Herrn Silvio Moritz, 1. Beigeordneter der Stadt Schwedt/Oder, Herrn Marek Wöller-Beetz, 1. Beigeordneter und gewählter neuer Bürgermeister der Stadt Prenzlau Und von Herrn Julien Acquatella, Leiter von CIVS. Neben den genannten waren weitere geladene Gäste Frau Coralie Vom Hofe von der Französischen Botschaft, Herr Schulrat Joachim Link und Herr Dr. Stephan Diller, Leiter des Dominikanerklosters Prenzlau.
Nach den Grußworten teile Frau Leignel eindrucksvoll und ergreifend mit dem Auditorium, ihre Erinnerungen, ihre persönlichen Erfahrungen und Schrecken mit dem Holocaust, eine alles in allem sehr bewegende Geschichte, in der die Unbeschwertheit der Jugend auf die unaussprechliche Grausamkeit der Menschen trifft, wobei aber auch die unglaubliche Widerstandsfähigkeit der Jugend deutlich wird. Frau Leignel betonte mehrfach die Bedeutung von Resilienz und Menschlichkeit und forderte die Schüler und Schülerinnen auf, ihr zu schreiben und ihre Botschafter zu werden, um das Vergessen zu verhindern, sich aktiv für Demokratie, Vielfalt und gegen Extremismus einzusetzen, um so für alle Menschen – ohne Rücksicht auf Herkunft oder Religion – eine Zukunft in Frieden und ohne Rassismus zu gestalten.
Ein besonderes Erlebnis für alle Beteiligten war die Herzlichkeit und Offenheit, mit der Frau Leignel die zahlreichen interessierten Fragen aus der Schülerschaft beantwortete. Abschließender Höhepunkt der Veranstaltung bildete das Fotoshooting mit den Schülerinnen und Schülern der verschiedenen Jahrgangsstufen.
Jahrgang 8
Jahrgang 10Jahrgang 11
Die von Frau Doris Diller, Leiterin der AG Schule mit Courage der Gesamtschule Talsand, in Zusammenarbeit mit der Französischen Botschaft in Berlin und der Kommission für die Entschädigung der Opfer von Enteignungen aufgrund der antisemitischen Gesetzgebung während der Okkupationszeit (CIVIS) organisierte Veranstaltung war ein Teil des Rahmenprogramms der Ausstellung Widerstand Verfolgung Deportation – Frauen aus Frankreich im KZ Ravensbrück, 1942–1945 der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück im Landesarchivs Berlin und fand an der Kunst- und Musikschule Schwedt/Oder statt. Besonderer Dank geht an Herrn Julien Acquatella, dem Leiter von CIVIS, und an Frau Coralie Vom Hofe von der Französischen Botschaft für ihre Unterstützung bei der Planung der Veranstaltung. Das Projekt fand in Kooperation mit der Partnerschaft für Demokratie Uckermark statt und wurde gefördert im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben!“ durch das Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend.
Weitere Unterstützer, ohne deren Hilfe die Veranstaltung nicht hätte durchgeführt werden können, waren:
Städtische Museen der Stadt Schwedt/Oder: Frau Anke Grodon, Leiterin der Museen, unterstützte mit ihrem Team bei der Planung der Veranstaltung, beim Aufbau und der Betreuung der Technik und beim Empfang der Gäste. Zudem wurde eine Führung durch das jüdische Museum und den jüdischen Friedhof mit Frau Leignel und den Gästen aus der Französischen Botschaft durchgeführt.
Dominikanerkloster in Prenzlau: Das Dominikanerkloster ist Kooperationspartner der Gesamtschule Talsand. Der Leiter des Dominikanerklosters Prenzlau, Herr Dr. Stephan Diller, koordinierte die Planung, Organisation und Durchführung der Veranstaltung.
Stadt Schwedt: Der 1. Beigeordnete der Stadt unterstützte die Veranstaltung persönlich und mit einem Grußwort.
Kunst- und Musikschule Schwedt: Sie stellte kostenlos Saal, Technik und Bestuhlung zur Verfügung.
Echoo Konferenz Dolmetschen Berlin: Simultanübersetzung der Veranstaltung.
PCS Konferenztechnik Berlin: Bereitstellung der Konferenzempfänger.
Frau Lili Leignel, geb. Keller-Rosenberg, gilt unser ganz besonderer Dank für dieses unvergessliche Erlebnis.
Am 05.05.2025 waren wir mit Frau Diller, Frau Hoppert und 6 interessierten Schülern und Schülerinnen im Rahmen der AG Schule mit Courage, des LER- und Französischunterrichts bei der Premiere des Kurzfilms von Wim Wenders : „Les clés de la liberté“ – „Die Schlüssel zur Freiheit“ (Versin auf deutsch), der sich mit der etwas in Vergessenheit geratenen Unterzeichnung der bedingungslosen Kapitulation Deutschlands am 07.05.1945 in Reims beschäftigt. 8o Jahre nach dem Ende des 2. Weltkriegs kommt der Künstler Wim Wenders in einem Kurzfilm auf diese Episode zurück: die erste Unterzeichnung der bedingungslosen und totlen Kapitulation Deutschlands in Anwesenheit der Generäle Alfred Jodl und Hans-Georg von Friedeburg, begleitet von Wilhelm Oxhenius im Kartensaal der Schule in Reims, in dem General Eisenhauer sein Geheimquartier hatte. Dieser Raum war in diesem historischen Moment der Mittelpunkt der Welt war. Um 02:41 Uhr am 07.Mai 1945 wurde die bedingungslose Kapitulation durch General Alfred Jodl unterzeichnet. Die Geschichte hat das Datum des 08.Mai. behalten, an dem der Vertrag um 23:01 Uhr in Kraft trat. Niemand wußte von dem geheimen Ort in Europa, an dem der General Eisenhauer residierte. 12 Jahre Terror, 6 Jahre Krieg, der Holocaust, die schlimmsten Verbrechen, die die Welt bis dato gesehen hatten, finden hier ein Ende, in einer Schule in Reims. Die Schlüssel für diesen Bereich in Reims waren die Schlüssel für die Freiheit der Welt. Diese Schlüssel brachten 80 Jahre Frieden für viele Länder in Europa. Die Werte der Humanität, der Demokratie sind nicht automatisch vorhanden, sie müssen jeden Tag aufs Neue gelebt werden. Mit Blick auf den Krieg in der Ukraine, meint Wim Wenders, sei es nun an uns, die Schlüssel der Freiheit in die Hand zu nehmen und täglich für die Werte der Humanität, der Menschenrechte und die für die Demokratie einzutreten.
Wir bedanken uns sehr für die Einladung und den überaus freundlichen Empfang durch die französische Botschaft.
Anlässlich des 80. Jahrestags der Befreiung des KZ Auschwitz-Birkenau wurden mein Team, meine Schülerinnen und Schüler sowie ich von der Botschaft der Französischen Republik in der Bundesrepublik Deutschland und dem Verein „Convoi 77“ herzlich durch Herrn Aquatella – CIVS Commission pour la restitution des biens et l’indemnisation des victimes de spoliation antisémites – eingeladen, am Dienstag, den 11. Februar 2025, um 18:00 Uhr (Wilhelmstr. 69 – 10117 Berlin) an einer Gedenkveranstaltung teilzunehmen.
Was tun? Es war der erste Ferientag der Winterferien, und die Schule begann erst wieder am Tag vor der Veranstaltung. Wie schaffe ich es, einerseits Schüler in den wohlverdienten Ferien zu motivieren und andererseits die Formalitäten und Finanzen zu organisieren – die Information der Schulleitung, der Schüler, der Eltern, der betroffenen Klassen- und Fachlehrer sowie eine Begleitperson? Hier ein besonderer Dank an meinen lieben Mann, Dr. Stephan Diller, der sich hier mal wieder sofort bereit erklärte.
Welche Schüler sollen angesprochen werden? Doch zeigte sich sehr schnell, wie gut unsere Schule hier flexibel handlungsfähig ist: Der werte Herr Rektor, Herr Cnyrim, gab am nächsten Morgen grünes Licht, und so begann unser kleines Abenteuer seinen Lauf zu nehmen. Letztendlich konnten wir mit einer Gruppe von 21 hochmotivierten Personen an der Veranstaltung teilnehmen, die wieder ein fächerübergreifendes Projekt der AG Schule mit Courage, des Französisch- sowie des LER-Unterrichts geworden ist. Dabei waren Schüler aus den Jahrgängen 7-10 der Gesamtschule Talsand mit Austauschschülern aus Blois in Frankreich verbunden, die gerade am Prenzlauer Gymnasium einen Erasmusaustausch machen, sowie der Fremdsprachenassistentin Frau Rosenfeld.
„Im Rahmen von deutsch-französischen pädagogischen Kooperationen, die vom Verein ‚Convoi 77‘ organisiert und betreut werden, stellen verschiedene Klassen aus Frankreich und Deutschland erinnerungskulturelle Projekte in Zusammenhang mit der Geschichte der Deportation nach Auschwitz-Birkenau vor. Schulklassen werden am Abend teilnehmen und die Möglichkeit haben, aktiv zum Austausch beizutragen.“
Das europäische Projekt Convoi 77, das zum Ziel hat, die Erinnerungskultur der Shoah mittels interaktiver und innovativer Methoden weiterzugeben, wurde auf ganz konkrete Weise von der deutsch-französischen Schule in Buc in Frankreich durch die Klasse 3A dargeboten. Die Klasse stellte ihr Projekt im Verlauf und in den Methoden vor. Sie recherchierten drei Biografien von Insassen des letzten Zuges, der am 31. Juli 1944 von Drancy nach Auschwitz mit 1306 Insassen – im Alter von 15 Tagen bis 87 Jahren – fuhr: Mirthil Cahen (1873-1944), Flora Cahen (1874-1944) und Riven Kirschbaum. Der Vortrag wurde abwechselnd in französischer und in deutscher Sprache gehalten.
Wir durften eintauchen in die Arbeit eines einjährigen fächerübergreifenden Projektes (Geschichte, Deutsch, Französisch, Kunst und Musik), das seinen emotionalen Höhepunkt durch die Darbietung von zwei Musikstücken von Deportierten dieses Zuges erreichte, die von der ganzen Klasse gesungen wurden und von einem Schüler auf der Gitarre begleitet wurden. Es war ein französisches und ein deutschsprachiges Lied. Wir waren von der Qualität und dem Engagement der jungen Schüler tief beeindruckt. Auch die Austauschschüler aus Blois waren von der Arbeit der Schüler sehr beeindruckt und konnten Während ihres Aufenthaltes in Deutschland die interkulturelle Erfahrung machen, wie sehr die Arbeit der Deutsch-französischen Klasse gewürdigt wurde. Ein rundum gelungener „Ausflug“, der alle Mühe der Organisation mehr als gelohnt hat.
Es war für alle Beteiligten eine große Ehre, an diesem Abend dabei gewesen zu sein. Der feierliche Moment des Gedenkens an die Opfer der Shoah durch die Darbietung des Gesangs der Lieder sowie der gegenseitige Austausch danach in den würdevollen Empfangsräumen der Botschaft werden uns lange im Gedächtnis bleiben. Unsere Schüler und Schülerinnen werden dieses Erlebnis sicher noch oft weitererzählen, damit die Erinnerung wach bleibt.
Ganz herzlichen Dank an die Schülerinnen und Schüler der Klasse 3A der Schule in Buc und ihre Lehrer: Frau Hoock-Douilly, Frau Rech und Frau Guerder! Und natürlich an die Einladenden der Französischen Botschaft sowie dem Service der Simultandolmetscher (Französisch <> Deutsch), der auch Schülern des LER-Unterrichts ermöglicht hat, den Ausführungen folgen zu können!
„Wir wurden bald auf Lastwagen geladen und abtransportiert. Niemand wusste, wohin. Nach langer Fahrt über die nördlichen Vororte Berlins landeten wir im Konzentrationslager Sachsenhausen. Als wir in der Dunkelheit vom Wagen springen mussten, wurden wir von SS-Leuten mit Ohrfeigen, Fußtritten und Kolbenstößen empfangen.
Der Lagerkommandant sagte ungefähr folgendes: „Ihr seid hier als Sühne für die feige Mordtat eures polnischen Rassegenossen Grünspan. Ihr müsst als Geiseln hierbleiben, damit das Welt-Judentum nicht weitere Morde unternimmt. Ihr seid hier nicht in einem Sanatorium, sondern in einem Krematorium. Jedem Befehl der SS ist Folge zu leisten.
Die SS hat das Recht, auf euch zu schießen, wann sie will. Unsere Jungs treffen verdammt gut. Weglaufen hat also keinen Zweck. Der Stacheldraht um das Lager ist mit Starkstrom geladen. Wer ihn berührt, ist sofort tot. Bei jedem Fluchtversuch wird geschossen. Eure Verpflegung müsst ihr abarbeiten. Wir werden dafür sorgen, dass eure dicken Bäuche verschwinden.“ (Augenzeugenbericht aus dem Konzentrationslager Sachsenhausen)
Im Gedenken an die Opfer des nationalsozialistischen Konzentrationslagers (1936-45) und späteren sowjetischen Speziallagers Nr. 7 (1945-50) besuchten die Klassen 10.4 und 10.7 unserer Schule die nationale Mahn- und Gedenkstätte Sachsenhausen bei Oranienburg.
Frau A. Melchert, Lehrerin für Deutsch und Geschichte an unserer Schule, gestaltete äußerst sachkundig, informativ und emotional eine Führung zur Geschichte des Lagers und zum Häftlingsalltag, der aus täglichem Leiden und Sterben der Insassen bestand. Vielen Dank dafür!
Milayn Betzel und Elias Lüdtke verlasen Zeitzeugenberichte von Häftlingen jener Zeit und übernahmen die Gedenkworte, wofür ihnen ein besonderer Dank gebührt. Nach einer anschließenden Schweigeminute gedachten die Schüler symbolisch mit einer Kranzniederlegung den Opfern von Diktatur und Tyrannei.
R. Johs
Zynismus am LagertorMenschenversuche …… im Keller der …… KrankenstationEntmenschlichungDer „Drillich“, die HäftlingskleidungFolter: Der PrügelbockDie GenickschussanlageDas KrematoriumOrt einer HäftlingsbarackeBefreiungOrt des Mahnens und GedenkensDen Opfern zur ErinnerungKranzniederlegung …… im Gedenken der Opfer